#amp2016 – Der Alternative Medienpreis

Der 13. Mai 2016 war ein besonderer Tag für Nürnberg und die Medienlandschaft in Deutschland. Im Bildungszentrum fand die Verleihung des „Alternativen Medienpreises“ statt und das bereits zum 17. Mal. Während 2000 die Preisträger nur aus der Kategorie Hörfunk kamen, gibt es mittlerweile insgesamt fünf Kategorien.

Es ist schade, dass im Vorfeld dieser tollen Veranstaltung so wenig darüber zu lesen war und so ist es keine große Überraschung, dass der „Alternative Medienpreis“ auch in diesem Jahr nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die ihm eigentlich gebührt. Diese Tatsache ist auch einer der Gründe, warum ich mich entschlossen habe, der diesjährigen Preisverleihung beizuwohnen und so über diese bemerkenswerte Veranstaltung zu berichten. Die Bekanntgabe der Sieger fand bereits vor einigen Tagen statt, genauer gesagt am 11. Mai 2016. Wer gewonnen hat, kann in der offiziellen Pressemitteilung eingesehen werden. Bis auf einen Beitrag können hier alle diesjährigen Gewinner nachgehört, gelesen oder angeschaut werden.

Durch den Abend führte Peter Lokk, bei dem ich einst einige Seminare besuchte und der mich freundlicherweise immer auf dem Laufenden hält, was Veranstaltungen oder Weiterbildungen der Journalistenakademie betrifft. Herr Lokk hat eine ganz besondere Art, mit dem Publikum zu interagieren und hatte an diesem Abend die rund 50 Gäste schnell für sich gewinnen können. Für die musikalische Untermalung war Horst Faigle an seiner „Marimba“ zuständig – einem Schlagstabspiel, das an ein überdimensionales Xylophon erinnert.

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Die ersten Preise wurden in der Kategorie Audio/Hörfunk vergeben. Achim Kasch von Radio afkmax erhielt der ersten Preis für seine Reportage „Ich war Z 1505. Überleben in der Katastrophe“. Darin kommt eine Zeitzeugin zu Wort, die als Sintessa in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland verfolgt wurde und mehrere Konzentrationslager überlebte. Ein Thema, das in Zeiten von Pegida und zunehmender Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik wichtiger denn je ist. Das Leid, das die Menschen, die von den Nazis als „minderwertig“ abgestempelt wurden, erleiden mussten, bekommt durch die Reportage von Herrn Kasch ein weiteres Gesicht, beziehungsweise eine Stimme. Der Beitrag ist Mahnung und Warnung zugleich, das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nie zu vergessen und Sorge dafür zu tragen, dass alle Strömungen, die ähnliches herbeisehnen mit aller Macht bekämpft werden, im Sinne einer wehrhaften Demokratie. Larry Macaulay bekam den zweiten Preis für sein Refugee Radio Network (RRN), das Flüchtlinge zu Wort kommen lässt und zum Dialog auffordert.

In der Sparte Video wurde Simone Brannahl für ihren Beitrag „Jüdisch-moslemische WG“ mit dem ersten Platz geehrt. Die Journalistin erzählt darin die Geschichte von Rebecca und Abdullah. Sie ist Jüdin, er ist Moslem. Der knapp sechsminütige Film zeigt auf eine sehr menschliche Art und Weise, dass große Dinge oft im Kleinen beginnen und dass Völkerverständigung und der Austausch zwischen Andersgläubigen oft näherliegt, als man meinen mag. Abdullah Sa, der männliche Protagonist in dem Beitrag, ist an diesem Abend selbst mit nach Nürnberg gekommen und wurde von Frau Brannahl bei der Preisverleihung mit auf die Bühne gebeten. Der zweite Preis ging an die Macher des Lokal TV-Portals „WupperVideo„, die unter anderem in ihrem Youtube-Kanal aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft aufgreifen, anschaulich machen und damit einen wichtigen Teil zur Meinungsbildung beitragen. Wie alle Preisträger erhielten auch die Gewinner in der Kategorie Video jeweils einen Scheck über 500 Euro, sowie eine Urkunde und ein Lehrbuch.

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Einen sehr großen Applaus gab es für den Journalisten Daniel Leisegang, der den Sonderpreis Medienkritik für seinen Beitrag „Facebook rettet die Welt“ erhielt. Darin übt er Kritik an den Plänen des Internet-Giganten, Menschen in Ländern wie Indien, den Zugang zum Internet zu erleichtern. Es ginge Firmen-Chef Zuckerberg nämlich vielmehr um Einfluss, Machterhalt und Nutzerdaten, als darum, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Mit einer „öffentlichen Digitalisierung“ habe das nichts zu tun. Der Preisträger sprach in diesem Zusammenhang auch von Facebook auch von einem „Werkzeug des Teufels“, welches man aber durchaus nutzen dürfe, um guten Content zu verbreiten, wie Leisegang und seine Kollegen von „Blätter für deutsche und internationale Politik“ täten.

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Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Sieger in den Kategorien Print und Internet gekürt. Bei den digitalen Medien freute sich Hamed Karim über den ersten Platz für seinen Blog „Blicktausch“, in dem der Deutsch-Tunesier in seiner Nebentätigkeit als Übersetzer damit begonnen hat, über Leben von Flüchtlingen im Lager Idomeni zu berichten. Dies tut er auf eine Art und Weise, für die in den etablierten Medien nur wenig Zeit und Platz ist. Als einen Journalisten sähe sich Karim indessen nicht. Das Talent für die richtigen Worte ist dem IT-Entwickler aber dennoch nicht abzusprechen. Seine Arbeit verdient Respekt. Für den Beitrag „Warum ich aus Sachsen weggezogen bin„, wurde der Journalist Christian Gesellmann den zweiten Platz ausgezeichnet. Ihn hätten das Leben dort und die ständigen Repressalien auf Dauer „deprimiert“ und so entschloss er sich, Sachsen zu verlassen. Eine Rückkehr schließe er nicht aus, so sei doch Zuzug genau das, was dem Freistaat guttun würde. Die Laudatio für Christian Gesellmann hielt Gabriele Hooffacker, die an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig lehrt.

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Was an diesem Abend freilich nicht fehlen durfte, waren die Preise bei den (Zitat Peter Lokk:) „Holzmedien“ also dem Printjournalismus. Hier erhielt Henning Bleyl den ersten Preis für einen Artikel, der sich mit der NS-Vergangenheit der Firma Kühne+Nagel beschäftigt, zu der das Unternehmen seit Jahrzehnten beharrlich schweigt. Der Beitrag ist Teil einer ganzen Serie. Derzeit kämpft der Journalist in Bremen für ein „Arisierungs“ Mahnmal und lässt nicht locker, das Unternehmen immer wieder mit seiner Vergangenheit zu konfrontieren. Für Lena Niethammer und ihren Beitrag „Schlechtes Versteck“ hielt Klaus Schrage von den Nürnberger Nachrichten die Laudatio und sprach darin von einem „herausragenden Artikel“. Die junge Journalistin erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach einer Aussage in das Zeugenschutzprogramm der deutschen Justiz aufgenommen wurde und zeigt auf, welches Risiko solche Menschen eingehen und was sie alles zu verlieren haben.

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Zum Ausklang des Abend gab es dann für alle Preisträger, Redner und Gäste ein feines Büffet und ausreichend Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und sich gemeinsam schon auf die nächste Preisverleihung im Jahr 2017 zu freuen.

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Die Verleihung des Alternativen Medienpreises 2016 war eine sehr interessante und gelungene Veranstaltung. Dass diese in meinen Augen zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, habe ich bereits thematisiert. Und vielleicht ist das auch gar nicht im Sinne der Organisatoren, wobei ich mir das eigentlich nicht vorstellen kann, weil es doch Leute sind, die in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Networking ausgewiesene Fachleute sind. Nichtsdestotrotz, der Alternative Medienpreis ist eine Institution und hat 2016 dank der großen Themenvielfalt, toller Beiträge und des Charmes einer „Nicht Main-Stream“ Veranstaltung überzeugt. 2017 werde ich sicher wieder dort sein und dann vielleicht nicht nur als stiller Beobachter. #amp2017

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